Kurz-Zusammenfassung von Sascha Lobos Vortrag „Zustand der digitalen Sphäre“

Der folgende Text bezieht sich auf das folgende Video:

https://www.youtube.com/watch?v=Hkqt0qOW7FQ

Hier eine kurze und unvollständige Zusammenfassung, ohne Garanie auf Richtigkeit.
Natürlich von mir auch überspitzt formuliert. Halt für Leute, die keine Lust haben, sich das 2 Stunden-Video anzugucken und grob wissen wollen, worum es geht.

Bei Sascha Lobos Texten habe ich manchmal Probleme zu verstehen, was er denn überhaupt meint.
Aber in diesem Video kam’s recht verständlch rüber, finde ich. Darum hier mal 5 Beispiele, warum Überwachung blöd ist und eben uns alle angeht, auch wenn viele vielleicht finden, dass es total wurscht ist, wenn die NSA unsere Urlaubsfotos auf Facebook angucken kann und meine WhatsApp-Nachrichten lesen kann. Und es vielleicht am Ende nicht nur die NSA weiß, sondern auch die Versicherung, die Online-Versandhändler, die Krankenkassen, …

Die Sachen sind stark vereinfacht von mir geschrieben.

Beispiel Nr 1:

Ein Kriegs-Beispiel. Ich hatte mal einen Film gesehen, in dem gezeigt wurde, wie Soldaten per Drone Leute beobachten, über Wochen hinweg, und irgendwann den Befehl kriegen: “So, genug beobachtet, jetzt den roten Knopf drücken, und die Zielperson umbringen (lassen).
Laut dem Vortrags-Video scheint das aber quasi gar nicht mehr aktuell zu sein. Mittlerweile ist es wohl so, dass da gar kein Mensch mehr großartig beobachtet, sondern die Drone anhand von “Patterns of Life” selbst auswählt, wer ein Terrorist ist und wer nicht. Wie sie an die Daten kommt weiß ich nicht (also ob sie selbst Daten auswählt, oder von Menschen quasi gefüttert wird), jedenfalls ist die “Neuerung” wohl, dass anhand von großen Datenmengen (wer telefoniert mit wem, fährt von A nach B usw) und Algorithmen ein bestimmter Wert festgesetzt wird, und wenn der erreicht ist, dann gilt eine Person als Zielperson, genauer gesagt, nichtmal eine Person, sondern oft nur eine SIM-Karte. Wie die Person heißt, die die Karte bei sich trägt, ist oft nicht relevant. Evtl hat die Software zur Pattern-of-Life-Berechnung auch Fehler, weiß vermutlich kein Mensch. Jedenfalls kriegt am Ende eine Person noch eine Nachricht aufs Handy:
“Computer hat errechnet, dass Person xy mit einer Wahscheinlichkeit von n ein Terrorist ist, jetzt töten?
yes/no”. Und, zack, stirbt halt wer. Vermutlich. Ggf auch Unschuldige. Umstehende Personen vielleicht auch.
Oder halt eine Person, die einfach das falsche Handy dabei hat. Klingt alles ganz schön kalt, aber so ist es anscheinend.

Beispiel Nr 2:

Ein Beispiel aus dem Haushalt. Mittlerweile gibt es elektrische Zahnbürsten, die mit dem Handy verbunden sind. So kann ausgewertet werden, wer seine Zähne richtig putzt, und wer nicht. Das kriegen ggf. auch die Krankenkassen mit.
Diese verpacken es dann natürlich positiv: “Ja das hast du aber fein gemacht, brav, so bleibt dein Versicherungstarif niedrig.
Kurz gesagt: Man muss sich so die Zähne putzen, wie die Krankenversicherung es für richtig hält. Sie bestimmen also quasi dein Verhalten. Sonst musst du eben mehr Geld zahlen.

Beispiel Nr 3:

Ein Beispiel aus dem Straßenverkehr. In einigen Städten gibt es Car2Go. Man kann sich also Autos ausleihen, wenn man kein eigenes kaufen möchten. An sich gut, finde ich. In England wird (per Überwachung) geguckt, wer sich im Straßenverkehr nicht angemessen verhält, und das geliehene Auto kann ggf. per Fernsteuerung gestoppt werden. Man wird also dauerüberwacht und hat sich so zu verhalten, wie es der Autoverleih für richtig hält.

Beispiel Nr 4:

Ein Beispiel aus der Wirtschaft. In Amiland gibt es Versuche, die anhand von Algorithmen die “Zahlungs-Schmerzgrenze” von Menschen errechnen sollen. Auch das ist natürlich durch Überwachung möglich, denn wenn man viel über das Leben einer Person weiß, kann man wieder einen Schwellwert bestimmen, der eine Obergrenze darstellt, was eine Person für ein Produkt zu zahlen bereit ist, und diesen Wert natürlich nach oben hin ausreizen. So zahlt jeder Kunde im Laden einen anderen Preis für dasselbe Produkt, eben den, den er garade noch bereit ist zu zahlen.

Beispiel Nr 5:

Ein Beispiel aus … keine Ahnung. In Amiland wurde eine Person an der Einreise gehindert, weil sie depressiv war und wohl diverse andere Krankheiten hatte. All das wußten die Zoll-Beamten, weil (per Überwachung) eben alle diese Sachen bekannt waren.

Wenn das in großem Stil weitergeht, muß ich ja ständig überlegen, was für Konsequenzen mein Handeln hat, beim Zähne Putzen, beim Auto fahren, beim Zimmer reinigen im Hotel im Hotel (achja: angeblich ist es wohl wo, dass auch Leute, die für Terroristen arbeiten, also das Zimmermädchen z.B., auch als Terrorist eingestuft werden, gibt dann gleich wieder Pattern-of-Life-Punkte).
Schon jetzt weiß ich nicht, ob ich bei im Internet beim Shoppen dieselbe Preise zahlen muss, wie mein Nachbar.

Klar, man muss eh immer überlegen, was für Konsequenzen das eigene Handeln hat, aber mit zunehmender Überwachung ergeben sich völlig neue Missbrauchs-Szenarien, die heute schon genutzt werden.
Und das kann niemand ernsthaft wollen.