Ein paar Gedanken zur Kommunikation

Vor ein paar Jahren gab es mit einem mehr oder weniger lauten Knall einen neuen Messenger für Handys, der die Kommunikation veränderte. WhatsApp.

Im Gegensatz zur SMS läuft die Kommunikation über den Internet-Weg, für den man in der Regel eine Flatrate hat und nicht „pro Nachricht“ bezahlen muss. Somit kann man quasi kostenlos uneingeschränkt „messagen“. Und weil WhatsApp auch noch intelligent ist und
sich das Adressbuch im Handy anschaut, sieht man auch gleich, wer von seinen Freunden
dieses Programm ebenfalls installiert hat – man muss nichtmal mehr fragen: „Haste auch WhatsApp“ ?
Ein Blick ins Programm genügt, und man weiß Bescheid. Total unkompliziert und günstig.
Achso: Für einige Handys fielen am Anfang noch einmalig Gebühren an, von 1,79 Euro oder so, ich weiß nicht mehr genau. Jedenfalls ein lächerlich geringer Preis, auf den ersten Blick.
Mittlerweile war WhatsApp mehrfach in der Kritik. Warum muss man das Programm in sein Adressbuch gucken lassen, um es benutzen zu können? Was genau ist das überhaupt für ein Unternehmen? Was machen sie mit meinen Daten? Ist die Kommunikation sicher?
Was heißt das überhaupt, „sichere Kommunikation“?

Nur mal ein paar Fragen als Beispiel, die man sich mal stellen kann:

1. Liest jemand fremdes gerade mit, was ich schreibe? Schreibt sie diese Informationen vielleicht irgendwie öffentlich ins Internet?

2. Kann es passieren, dass eine Behörde zu der Firma kommt und sie zwingt: „Wir brauchen alle Nachrichten, die mit meiner besten Freundin in den vergangenen 7 Tagen ausgetauscht wurden“

3. Kann es passieren, dass meine privaten Kontakte weiterverkauft werden, dass also indirekt mit mir Geld verdient wird?

4. Weiß ich eigentlich wirklich, dass ich gerade mit meiner besten Freundin schreibe, und nicht mit einer fremden Person?

5. Weiß ich eigentlich sicher, dass Nachrichten so bei mir ankommen, wie sie abgeschickt wurden, und nicht unterwegs vom Text her verändert wurden?

Gerade in Punkto „Sicherheit“ gab es laut Internet-Berichten und Medien wohl doch recht schwere Mängel, die auch wohl bis heute (Stand: Juni 2013) nicht alle behoben sind.
Stichwort: Öffentliches WLAN und so.
Auch auf die meisten anderen Fragen gibt es oft keine richtig zufriedenstellenden Antworten.
Das interessiert aber niemanden, denn: „Alle haben WhatsApp, also habe ich es auch“.
Ein Standard-Argument, welches immer wieder hervorgeholt wird. Quasi dasselbe wie bei Facebook.
Da muss ich immer an das Lied „Sheep“ von Pink Floyd denken. Die Schafe laufen einfach der breiten Masse hinterher, ohne etwas zu hinterfragen, und wollen einfach ihre Ruhe haben.
Auf der einen Seite kann man es ja verstehen. Man lebt ja nur einmal, warum also zu viele Sachen hinterfragen? Hauptsache, es funktioniert irgendwie – und die Geheimdienste hören ja eh alles irgendwie ab, aber das ist mir egal, ich hab ja nix zu verbergen.

Ist es nicht viel schöner, wenn man mit einer guten Freundin redet, dass man weiß, dass man wirklich mit IHR spricht, und mit keinem Double? Und fühlt man sich nicht besser, wenn man weiß, dass drumerum nicht auch noch evtl Leute stehen oder Mikrofone sind, die alles mithören?
Beides ist bei vielen Messengern vermutlich nicht gewährleistet. So genau weiß man auch das nicht, weil zu diesen Punkten in der FAQ häufig nix brauchbares steht.
Da stehen nur Schlagworte wie: „einfach, persönlich, Echtzeit, preiswert“.
Persönlich? Weiß man nichtmal genau. Echtzeit? Naja, meistens klappt es ja recht zeitnah, das stimmt. Preiswert? Keine Ahnung, wenn ich nur auf meinen geringen Geld-Betrag gucke, dann mag das stimmen. Aber wenn ich überlege, dass ich erst meine Kontakte preisgeben mußte, dann finde ich den Preis doch schon irgendwie hoch – auch wenn es sich nicht um Geld handelt.

Selbst denken macht schlau!
Alternativen sind längst auf dem Markt. Aber man ist ja zu bequem, denn: „Alle haben WhatsApp, also habe ich es auch. Der Rest interessiert nicht.“
Ich finde das ziemlich schlimm, ehrlich gesagt.

Eine schweizer Firma hat ein „Mitbewerber-Produkt“ auf den Markt gebracht.
Auf der Homepage stehen viele Fragen beantwortet, gerade in Punto Sicherheit.
Selbst für ein Interview stand einer der Leute bereit und erklärte, warum die Software NICHT OpenSource ist (jaja, immer das Totschlag-Argument für Sicherheit, Krypto usw), wie das Programm funktioniert, usw. Klang mir alles recht sympathisch.
Und das Programm ist nur geringfügig teurer als WhatsApp. Und es überträgt die Adressbücher auch nicht auf den Server, bzw kann man das frei wählen.
Selbst wenn man sie übertragen lässt (um Freunde zu finden, die dasselbe Programm installiert haben) passiert das wohl nur in Form von Hashes, also nicht die E-Mail-Adresse an sich.
Und es stellt sicher, dass die Kommunikation nicht abgehört wird (Transport-Verschlüsselung) und selbst wenn es doch „irgendwie gehackt wird“, gibt es noch immer ein Problem, denn die Kommunikation benutzt laut Hersteller „End-to-End-Krypto“, und nein, das ist weder schwer zu verstehen, noch irgendwie eine neue Erfindung, sondern das sind alles uralte erprobte Sachen, mit dem Unterschied, dass es endlich mal jemand auf einem Handy macht!

Jetzt kann ich auch (nach persönlichem Kontakt) sicherstellen, dass mein Gesprächtspartner der Richtige ist – selbst das ist mit der Software möglich.
Als würde man Auge in Auge mit einer guten Freundin alleine im Raum sein.
Persönlich und privat.

Eigentlich müßten sich die Leute um dieses Produkt reißen, weil „simsen“ damit endlich wieder Spaß macht!
Aber man ist ja ein Schaf, was interessiert mich das alles? Man hat ja nur das eine Leben – wozu der Streß? Ist doch eh alles egal.