James Last: Mit 80 Jahren um die Welt

Selten habe ich ein Konzert besucht, wo ich im Vorfeld so wenig darüber
wußte wie bei diesem.
James Last – mit 80 Jahren um die Welt.
Eigentlich war es eine recht spontane Entscheidung, nachdem ich durch Zufall eine größere Doku über ihn gesehen hatte.
VW Halle Braunschweig. 3. Preisklasse (von 5), Seitenparkett links. 62,00 Euro + VVK. Und dafür eine 2,5-Stunden-Rentner-Veranstaltung mit Rumstata?
Puh. Aber immerhin hat es über 80 Mal die Royal Albert Hall in England gefüllt – das ist Weltrekord! Also kann er doch gar nicht so schlecht sein.
Aber James (eigentlich: Hans Last) macht – zumindest bei seinen heutigen Konzerten – eigentlich gar nicht viel mehr, als etwas auf der Bühne rumzulaufen und so zu tun als würde er dirigieren. Andererseits:
Wenn ich mir bei Wikipedia seine Diskographie anschaue …
Und die VW Halle ist ja fast direkt vor der Haustür. Vermutlich wird
es seine letzte Tournee sein.
Was soll’s, einmal James Last live erleben, gebongt!

Kurz nach 19.30 kamen wir an der VW Halle an. Schon von Weiten konnte man erkennen, dass wir den Alters-Durchschnitt der Publikums ein gutes Stück nach unten zogen – wir hatten nämlich keinen Hut auf! Nein, ganz so schlimm war es nicht, es gab durchaus Jüngere als Roland und mich – aber wenige.
Drinnen ging die Sucherei los. Wo ist hier das Seitenparkett? Nicht zu finden. Ein Teil war auch gesperrt. Sollte es ganau DORT sein?
Komisch, erstmal in den Innenraum gehen und durchfragen.
„Seitenparkett? Das ist da ganz links, Sie können aber auch hierdurch gehen, müssen nicht außen lang“. Das ging ja sowieso nicht. Also innen durchgedrängelt. Endlich, Seitenparkett links. Nach einiger Sucherei im Halbdunkeln war auch Reihe 11 gefunden. Doch wo war Platz 29 und 30?
Hin und her gesucht, es ging immer nur bis 12 oder so, find dann wieder bei 1 an. Irgendwann hatten wir die Nase voll und haben uns irgendwo anders hingesetzt, es war eh um uns herum noch relativ frei. Vielleicht haben wir ja Glück und es kommt niemand, der zufällig auf unseren „neuen“ Plätzen sitzt. Um uns herum wurde es voller. Oh oh. Aus dem Gemurmel konnte man hören, dass auch andere anscheinend Probleme mit ihrem Platz hatten und ihnen gesagt wurde, sie können einfach durchgehen und sich weiter rüber setzen. Es kam dann auch keiner mehr, der uns hätte vom Platz verscheuchen wollen – sehr schön!
Kurz vor 20 Uhr wurde auf 2 (von 3 oder 4) Videowänden ein Countdown eingeblendet.
Gegenüber von uns auf der Bühne war ein Scheinwerfer so positioniert, dass er uns (und die leute links neben uns) direkt blendete.
Am Gemurmel der Leute neben uns ließ sich erahnen, dass diese älteren Herrschaften noch nicht allzuviele Konzerte besucht haben können:
„Ja kann doch nicht wahr sein, bleibt das Ding die ganze Zeit an? Da sieht man ja gar nix“ Fast wäre mir ein ironisches „JA! Immerhin will James ja sein Publikum ja auch gut sehen können“ herausgerutscht, aber ich hab’s mir dann doch verkniffen. Inzwischen war eine weitere Videowand heruntergefahren, auf der ebenfalls eine Uhr eingeblendet wurde. 3 – 2 – 1 – Licht aus! Na sowas aber auch. 😉

Als Intro folgte auf der Videowand eine Art Chronk über James Last, gespickt mit Familien-Fotos, Diskographien, Band-Fotos, Gast-Musikern (Abba, Jan Delay usw) und anderes – alles natürlich mit Musik untermalt.
Danach wurde es schlagartig hell auf der bereits mit Musikern voll besetzten Bühne, die mehrere Etagen hatte – so konnte man wirklich gut sehen!
Ich hatte an die 30 Musiker gezählt (laut semmel.de ist es ein 36 köpfiges Orchester).
Die nächsten knapp 3 Stunden incl. Pause gab es überraschend viele Cover-Songs.
Amy Winehouse, The Beatles, Pink, Leona Lewis und viele, viele mehr! Sogar irische Sachen waren dabei! Zwischendrin immer wieder ganz klassische Stücke,
die ich meist nicht kannte, aber die mal wieder gezeigt haben, dass Klassik alles andere als langweilig ist!
Da war richtig Action auf der Bühne – gerade auch durch die fast 20 Streicher (viele davon weiblich) auf der oberen Etage der Bühne, die öfter auch mal tanzten oder Späße machten. Bierernst war hier gar nichts, alles wirkte sehr locker – aber dennoch
keinesfalls schluderig oder improvisiert – im Gegenteil. Musikalisch war vermutlich alles bis in letzte Detail ausgefeilt und nichts dem Zufall überlassen! Sonst würde so etwas auch kaum funktionieren, bei solch einer Anzahl von Musikern.
Vernünftig klingen soll es schließlich auch noch. Hat es auch, in den allermeisten Fällen. Einige wenige Songs fand ich etwas überladen, und bei einigen war der Gesang der Leute (meist mehrstimmig) meiner Meinung nach zu leise. Das ließ sich aber alles komplett verschmerzen, da als Ausgleich eine hammermäßige Instrumentel-Coverversion von Christina Aguileras „Hurt“ gespielt wurde.
Ganz klassisch, mit Streichern – und als Stimme: E-Gitarre. Eines meiner persönlichen Highlights des Abends!
Das Licht war auch toll. Wenn ich das richtig sah, kam viel LED-Technik zum Einsatz, die aber trotzdem nicht überladen wirkte.
Auf 2-3 Videowänden wurden Musiker und Instrumente in Großaufnahme gezeigt, auf der größten Videowand hinter der Bühne (beweglich, mit einer LED-Wand dahinter) wurden ebenfalls Animationen eingespielt – ob nun eher psychidelische Sachen, oder auch mal eher Irdisches, wie lustige Zeichentrick-Fische im Wasser, z.B. bei Yellow Submarine.
Licht und Sound waren sehr harmonsisch aufeinander abgestimmt, und auch wenn nicht alles immer 100% auf den Punkt synchron war (Blinder-Effekte, Pyro-Technik) muss ich wirklich sagen – Hut ab! Angesichts der Komplexität bei einigen Songs: Ganz große Klasse!
Und James? Der lief fröhlich auf der Bühne herum, wechselte zwischendruch mal das Outfit, sagte Titel an, unterhielt sich etwas mit den Musikern (teils auf englisch) und scherzte mit dem Publikum. Wenn man ihn denn verstand! Das lag nicht an der Mikrofonie,
sondern daran, dass er wirklich ziemlich nuschelte und nur sehr schwer bis teilweise gar nicht zu verstehen war.
Egal! Dass das Publikum zum Walzer-Tanzen aufgefordert wurde, war verständlich. Davon wurde auch im Mittelblock Gebrauch gemacht.
Auch die Polonaise funktionierte – wenn auch in keinem Stil. Irgendwann kamen eh einige Zuschauer auf den Trichter, dass man sich ja auch direkt vor die Bühne stellen kann. Wozu denn sitzen?
Gegen ca 22.45 war der Spuk vorbei. Eine richtige Zugabe gab es übrigens nicht. Womöglich geht bei vielen Altenheimen
ab 23.30 Uhr die Alarm-Anlage an. 😉

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Webseiten-Update

Ich hab mal meine Webseite ausgemistet, etliches gelöscht,
alle JPEG2000-Bilder verbannt – sie machen einfach zu viele Probleme 😦

Auch einige Bild-Vergleichs-Tests mußten dran glauben.
Dafür habe ich jetzt eine neue Seite erstellt, wo ich das Thema „Tiefenschärfe“ vereinfacht erkläre – es zumindest versuche 😉

Schaut doch mal rein und korrigiert mich, sollte ich Mist geschrieben haben 😉

http://www.lassekolb.info/tiefenschaerfe.htm