14. Braunschweiger Poetry Slam oder: Was ist Kunst?

Selten gab es ein Thema, das so schwer zu beschrieben ist wie diese Veranstaltung.
12 „Slammer“ traten gegeneinander an. Es wurden unter den Zuschauern insgesamt 10 Punktekaten verteilt, von 1 (schlecht) bis 6 (gut).
Die Wertungen sollten dann in Gruppenarbeit diskutiert werden, bis sich eine Gruppe dann für eine Zahl entschieden hat, und dann hochgehalten werden. Der Moderator hat die Wertungen dann zusammengezählt und dem jeweiligen Slammer zugeordnet.
Nur: Nach welchen Kriterien wird eigentlich gewertet? Das wurde gar nicht wirklich definiert, und ist meiner Meinung auch kaum ernsthaft realisierbar. Sollte man die „Intellektualität“ bewerten?
Vermutlich schon, nur dann fängt das Problem schon an:
Ich habe zum Beispiel so gut wie keinen der 12 (insgesamt 16) Text verstanden, weder den Text an sich, noch die Message, falls es eine gab.
Das hatte hauptsächlich zwei Gründe.
1. Mein IQ ist vermutlich viel zu niedrig, als dass ich meist auch nur annährend verstanden habe, über was der Interpret dort spricht, was er meint, worauf er hinauswill, und was wir aus dem Text lernen sollen.
2. Teilweise wurden die Texte dermaßen schnell gesprochen, dass mein Gehirn  gar keine Zeit hatte, den gesprochen Text in „Verstehen“ zu übersetzen, bzw waren wieder 2 weitere Sätze vergangen, wenn ich’s dann endlich geschafft habe, aber somit fehlte mir der Sinn, weil diese folgenden 2 Sätze einfach „weg“ waren. Man muß sich wirklich in allerhöchstem Maße konzentrieren.

Sollte ich dem Interpret nun die geringste Punktzahl geben, weil sein Text zu intellektuell für mich war? Was kann der Typ auf der Bühne dafür, wenn ich schlicht zu dumm sind, seine Texte zu verstehen?
Vielleicht sollte ich ihm deshalb gerade die höchste Punktzahl geben, weil sein Text einen IQ von mindestens 130 voraussetzt.
Ihr versteht das Bewertungs-Problem?

Vielleicht sollte man auch bewerten, WIE der Text vorgetragen wurde.
Eher langweilig, lebhaft, monoton, spannend, …
Was genau wird bewertet?
Da das vermutlich nur jeder für sich selbst entscheiden kann, ist eine gerechte Bewertung meiner Meinung nach gar nicht möglich.
Auch meine ich bemerkt zu haben, dass gerade lustige Texte (also Texte mit lustigen Passagen) insgesamt mehr Lacher (und auch Punkte) eingebracht haben, als ernste, politische und kluge Texte.
Hat das dann noch etwas mit „poetisch“ zu tun, oder eher mit Comedy?
Die Texte und Vortrags-Stile waren so dermaßen verschieden, dass man sie eh nicht miteinander vergleichen kann. Von daher gibt es auch gar keinen „Gewinner“ finde ich, auch, wenn am Ende zwei Sieger gekührt wurden.
Beides Jungs. Es gab insgesamt eh nur 3 oder 4 Frauen.
Den Text von Kathleen fand ich recht gut, na was heißt gut .. ich hab zumindest die  Geschichte verstanden, und meine sogar, eine Message erkannt zu haben. Allerdings hat Kathleen nur 28 Punkte bekommen. (zum Vergleich: Der Gewinner hat volle 60 Punkte, also 10 x 6 Punkte bekommen. Der Text handelte vom Kaffeetrinken, wenn ich mich recht erinnere).

Diese Poetry-Slam-Sache ist jedenfalls nichts für schwache Nerven und eine
ziemlich extreme Angelegenheit. Bloß nicht den Verstand verlieren …
Und fürs Kaffeekochen reicht ein 08/15-Durchschnitts-IQ aus, was will man also mehr? 😉

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